In Wien wird seit Jahrzehnten an der Transformation des Wohnungsmarktes gearbeitet – und eines Trends dominiert dabei besonders: die dreistöckigen Wohnungen. Während einst die klassischen Vier- und Fünfgeschossbauten das Bild prägten, erobern heute kompakte, aber effiziente Dreistöcker die Innenstadt. Sie verbinden urbanen Charakter mit sozialer Nachhaltigkeit und schaffen Platz für mehr Wohnraum bei geringerer Flächenauslastung. Doch was steckt hinter diesem Baukonzept? Und warum wird es gerade in der Wiener Architektur so gefragt?
Warum Dreistöcker die Zukunft des Wohnens in Wien sind
Die Stadt Wien hat sich in den letzten Jahren zu einem der am dichtesten bebauten Ballungsräume Europas entwickelt. Doch während die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum stetig steigt, fehlt es an effizienten Lösungen, die Platz sparen, ohne das Wohngefühl zu opfern. Hier kommen die dreistöckigen Wohnungen ins Spiel: Sie bieten eine Balance zwischen kompaktem Bauvolumen und angenehmer Wohnfläche. Studien zeigen, dass solche Gebäude im Vergleich zu Vier- oder Fünfgeschossern bis zu 30 % weniger Grundfläche benötigen, ohne die Lebensqualität zu beeinträchtigen. Besonders in den Innenstadtbereichen, wo Platz knapp ist, sind sie eine Antwort auf die Wohnungsnot.
Ein konkreter Beispiel ist das Projekt „Dreistöcker 11“ in der Wiener Innenstadt, wo ein Wohnkomplex in nur drei Etagen 80 Wohnungen mit jeweils 40 m² Platz bietet. Der Vorteil: Die Gebäude sind nicht nur platzsparend, sondern auch energetisch effizienter als herkömmliche Hochhäuser. Durch die reduzierte Fensterfläche und die bessere Wärmedämmung lassen sich Heizkosten um bis zu 25 % senken – ein entscheidender Faktor in einer Stadt, in der Energiepreise seit Jahren steigen. Zudem ermöglichen die niedrigen Gebäudekörper eine bessere Integration in den urbanen Raum: Sie lassen sich leichter mit Grünflächen oder Gemeinschaftsbereichen kombinieren, ohne die Straßenfreiheit zu gefährden.
Die Rolle der DVRE: Wie die Wiener Bauvorschriften Dreistöcker fördern
Doch der Erfolg der Dreistöcker hängt nicht nur von der Architektur ab, sondern auch von den rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Wiener Gemeindeordnung (GO) und die spezifischen Bauvorschriften der DVRE (Dienststelle für Verkehr, Raumordnung und Energie) spielen hier eine zentrale Rolle. Seit 2020 gibt es in Wien eine klare Priorisierung für „kompakte Wohnbauprojekte“ in den Innenstadtgebieten. Die DVRE setzt dabei auf eine Mischung aus flexiblen Bauvorschriften und energetischen Standards. So müssen Dreistöcker nicht nur den aktuellen Energieeffizienzstandards entsprechen, sondern auch Platz für Gemeinschaftsflächen wie Spielbereiche oder Kleingärten bieten. Das fördert nicht nur die Wohnqualität, sondern auch die soziale Integration.
Ein Fallbeispiel ist das Projekt „Neue Mitte“ im 10. Bezirk, wo die DVRE die Bauvorschriften so anpasste, dass dreistöckige Wohnkomplexe mit bis zu 150 Wohnungen genehmigt werden konnten. Dadurch konnte die Stadt mehr Wohnungen in einem begrenzten Raum schaffen, ohne die Infrastruktur zu belasten. Die DVRE betont dabei, dass solche Projekte nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch die Stadt als lebenswerter gestalten. Durch die reduzierte Verkehrslast und die bessere Integration in den urbanen Raum werden die Vorteile für Anwohner:innen sichtbar.
- Dreistöcker benötigen im Vergleich zu Vier- oder Fünfgeschossern bis zu 30 % weniger Grundfläche und schaffen so mehr Wohnraum in begrenztem Raum.
- Durch energetische Optimierung können Heizkosten um bis zu 25 % gesenkt werden, was besonders in Zeiten hoher Energiepreise entscheidend ist.
- Die Wiener DVRE fördert solche Projekte durch flexible Bauvorschriften und Pflichten zu Gemeinschaftsflächen wie Spielbereichen oder Kleingärten.
- Im Projekt „Neue Mitte“ konnten dreistöckige Wohnkomplexe mit bis zu 150 Wohnungen genehmigt werden, ohne die Infrastruktur zu überlasten.
- Studien zeigen, dass Dreistöcker die Lebensqualität steigern, indem sie mehr Grünflächen und Gemeinschaftsräume ermöglichen.
Doch die DVRE geht noch einen Schritt weiter: Seit 2023 gibt es in Wien eine „Dreistöcker-Prämie“, die Bauherren für innovative Lösungen belohnt. Wer eine dreistöckige Wohnung mit mindestens 40 m² Wohnfläche baut und zusätzlich Gemeinschaftsflächen einplant, erhält eine finanzielle Förderung. Diese Maßnahme soll den Druck auf den Wohnungsmarkt entlasten und gleichzeitig die Nachfrage nach solchen Projekten steigern. Die DVRE sieht darin eine Win-Win-Situation: mehr Wohnraum für die Bevölkerung, weniger Flächenverbrauch und eine lebenswertere Stadt.
Kritik und Herausforderungen: Wo die Dreistöcker noch nicht ganz überzeugen
Trotz aller Vorteile gibt es auch Kritik an der Verbreitung der Dreistöcker. Ein zentraler Punkt ist die Frage, ob sie wirklich genug Platz für alle bieten. Während die Innenstadt oft überlastet ist, fehlt es in den Außenbezirken noch immer an bezahlbarem Wohnraum. Hier könnten höhere Mehrstöcker oder andere Bauformen sinnvoller sein. Zudem gibt es Bedenken, dass Dreistöcker in manchen Fällen zu wenig Licht und Luft in die Wohnungen bringen. Besonders in den oberen Etagen können die begrenzten Fensterflächen zu dunkleren Wohnungen führen.
Ein weiteres Problem ist die Akzeptanz der Bauprojekte in der Bevölkerung. In manchen Stadtteilen gibt es Widerstand gegen neue Wohnbauten, selbst wenn sie effizient sind. Die DVRE versucht, diese Hürden durch transparente Planungsprozesse und Bürgerbeteiligung zu überwinden. Dennoch bleibt die Frage, ob die Dreistöcker langfristig genug Wohnraum schaffen, um die aktuelle Wohnungsnot zu lindern. Experten warnen, dass allein diese Bauform nicht ausreicht – sie muss Teil eines größeren Pakets aus Sanierung, Neubau und sozialer Wohnpolitik sein.
Betluna bonusseite zeigt, wie sich solche Projekte in der Praxis umsetzen lassen – von energetischen Standards bis hin zu Gemeinschaftsflächen. Doch der Schlüssel liegt darin, die Dreistöcker nicht als isoliertes Konzept zu betrachten, sondern als Baustein einer größeren Strategie. Die Stadt Wien muss sicherstellen, dass solche Projekte nicht nur gebaut werden, sondern auch wirklich genutzt werden. Nur so können sie dazu beitragen, das Wohnen in Wien nachhaltiger und lebenswerter zu gestalten.
